Social Media

die Aufmerksamkeitsmaschine für dich und deinen Hund

Hunde begleiten uns.

Nicht nur auf Spaziergängen. Sie finden auch ihren Platz in der digitalen Welt, von der sie nichts mitbekommen, so müsste man meinen. Doch mit Hundecontent lässt sich viel Aufmerksamkeit generieren. Wir Menschen reagieren instinktiv auf niedliche Tiere, insbesondere den Hund. Je schöner das Foto, desto mehr Aufmerksamkeit. Hinter einem gut geführten Hundeaccount auf Instagram steckt jedoch weitaus mehr als nur ein Profil mit hübschen Bildern. Tägliche Stories und Reels, die sich ausschließlich um das Leben mit dem Hund drehen, lassen erahnen was hinter den Kulissen stattfindet. Ein Mensch, der seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Hund lenkt. Seine Persönlichkeit wird dauerhaft beschrieben, bewertet, kommentiert. Aufnahmen, die Hunde in vorteilhaften Situationen zeigen. Laufen sie brav an der Leine? Warten sie geduldig auf ihr Futter? Wie war der letzte Termin bei der Physiotherapie für den Hund? Hat er sich benommen? Um den Schwall an scheinbar perfektem Hundecontent auszugleichen, wird von Zeit zu Zeit im Namen der Authentizität ein Post erstellt, in dem es um die Verfehlungen des sonst so liebevoll dargestellten Hundes geht. Er hat gejagt, kam nicht auf den Rückruf oder bellte an der Leine. Dem Kollektiv ist klar, dass es sich dabei um unerwünschtes Verhalten handelt.

Jeder Post validiert die Ansicht: Je mehr Hundeverhalten ein Hund zeigt, desto unkontrollierter ist er. Die Blöße ein schlechter Hundehalter zu sein, die möchte niemand tragen, so folgen heroische Beitrage, die dem Betrachter die harte Arbeit am Hund suggerieren sollen. Man zeigt, dass man sich kümmert. Mit Hingabe, gar Selbstaufgabe. Jeder Erfolg ein weiteres Häkchen auf der Liste des gut erzogenen Menschen. Die Menge der Beiträge und die Art der Darstellung lassen auf einen Menschen schließen, der seine Anerkennung durch den Hund findet. Für den Hund bedeutet das im Rampenlicht zu stehen. Die Kamera ist immer zur Hand, denn jede seiner Regungen, sei es eine Ohrenhaltung oder die Art und Weise wie er seinen Stuhlgang verrichtet, könnte einen wertvollen Post zur Folge haben.  Dieser Fokus auf jede Kleinigkeit bietet Raum für extreme Auswüchse in der Hundeerziehung. Mit Perfektion im Blick gilt es nun aus dem Hund ein Vorzeigeobjekt zu machen.

Der perfekte Nährboden für Kontrollzwang.

Das Problem verstärkt sich von selbst und bietet dem Menschen eine Reihe selbstbelohnender Verhaltensweisen. Je öfter und eindrücklicher er zeigen kann, wie viel Arbeit und Energie er in den Hund steckt, um ihm ein artgerechtes, auslastendes Leben zu ermöglichen, desto tiefer rutscht er in den Teufelskreis des niemals endenden Hundetrainings.

Der Hund wird immer unruhiger, gar unberechenbar. Die Natur des Hundes entspricht nicht der des Menschen, auch, wenn sie sich in vielen Punkten ähneln, so wird er niemals den steigenden Anforderungen des ambitionierten Hundehalters gerecht werden können. Seine Art mit inneren Konflikten umzugehen ist offensichtlich. Er filtert nicht durch kiloweise Gedanken, Philosophien und Moralvorstellungen wie der Mensch es tut. Diese offene Darstellung seiner Emotionen steht der menschlichen Erziehung in direkter Weise entgegen. Es bereitet Hundehaltern sorgen, wenn der Hund Aggressionsverhalten zeigt; es macht ihm regelrecht Angst mit der Tatsache konfrontiert zu werden, dass auch sein Hund in der Lage wäre zu verletzen. So will er die Realität der Natur nicht wahrhaben und formt eine Welt, in der der Hund genauso sensibel ist wie er selbst. Die Sozialen Medien bieten dieser kollektiven Illusion den Raum, den es braucht, um solch eine Fantasie real erscheinen zu lassen, während mehr und mehr Hunde im Leinenknast dahinsiechen; ihnen die Erfahrung sie selbst, ein Hund, zu sein verwehrt wird. Sie sollen sanft, verständnisvoll und jederzeit ein Ruhepol für eine Spezies sein, die so fragil ist, dass sie einem Hund sein Leben anvertraut.

Betrachtet man die evolutionäre Funktion des Hundes, so wird deutlich, dass die einstig geschätzten Eigenschaften des Hundes heute nunmehr eine Last darstellen. Ein Relikt aus einer Zeit, in der jeder wusste, was es heißt, gefressen zu werden. War der Hund ein Warnsignal, wie eine Alarmanlage, so haben die Menschen vergessen, dass er diese Funktion auch heute noch erfüllt. Versäumt hat der Hundehalter seinen eigenen Wahn zu erkennen, nun weitet er ihn auf den vermeintlich besten Freund des Menschen aus. Weil der Hund uns so nah ist, im Leben, saugt er unsere Psychosen in sich auf und gibt sie als seine eigene Interpretation wieder.
Aber auch das, ist nicht Warnung genug für den liebeskranken Menschen. Jeglicher Anflug von Negativität stört ihn in seiner Effizienz. Es ist nicht produktiv sich Zeit zu nehmen, denn Zeit ist bekanntlich Geld. Man möchte einen Hund besitzen, weil es sich so gehört, für eine gut geführte Familie. Weil ein gut geführter Hund die Güte des Menschen hervorhebt. Doch soll der Hund bitte ohne das Hündische kommen. Hunde-Hardware mit Menschen-Software.

Solange der Blick des Menschen auf einen Bildschirm gerichtet ist, auf dem lauter Privatwerbungen das Ideal des Menschen propagieren, so lange wird der Hund unter der Völlerei des Menschen leiden. Zu glauben, dass das Rind im Stall das einzig gequälte Lebewesen ist, ist eine wundervoll simple Art die eigene Schuld von sich zu streifen, während der Hund zuhause Stunde um Stunde auf sein Herrchen wartet, damit er endlich, an  der Leine versteht sich, einen Einblick in seine Möglichkeiten erhaschen kann, bevor er im hektischen Wahn des Menschen weitergezogen wird. 15 Minuten Hoffnung auf Freiheit, dann darf er arbeiten, der Hund.
Schließlich soll aus ihm mal etwas werden, woran sich niemand stößt. Er soll ein positives Vorbild für die ganze Gesellschaft sein. Keinesfalls soll er sich von seinen Ideen leiten lassen. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder das tun würde, wonach ihm ist? Nein, allein die Vorstellung nicht unter dem prüfenden Blick eines anderen zu stehen bereit Angst und Schrecken. Anarchie, wenn niemand dem anderen vorgibt was zu tun ist. Was hinter diesem paranoiden Gefühl steckt, ist die Überzeugung, der Mensch sein von Grund auf Böse. Nicht fähig aus eigenem Antrieb heraus Gutes über die Welt zu bringen.

Sicherer sind Menschen, denen im Kindesalter die Selbständigkeit und Kreativität genommen und durch stumpfsinnige Arbeit ersetzt wird. Sicherer ist ein Mensch, der erst einen anderen um Erlaubnis bittet, bevor er eine Idee in die Tat umsetzt. Noch sicherer ist ein Mensch, der sich in seiner gesetzlich vorgegebenen Freizeit freiwillig in einen Prototyp der Kryostase begibt und sich erst dann wieder in Bewegung setzt, wenn die Uhrzeit auf dem Bildschirm den Arbeitsbeginn markiert. Regungslose Freizeit. Die Sozialen Medien sind nunmehr ein Laufgitter für Erwachsene und Jugendliche. Für die, die am meisten Tatendrang besitzen. Wie der Hundehalter seinen Hund in Abstraktionen seines ursprünglichen Verhaltens konditioniert, so konditioniert der Mensch sich selbst in die Besinnungslosigkeit. Anerkennung ist das Leckerli des Menschen

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E-mail | nicole.schmidt@silvacanum.de
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