Wenn ich beobachte...
02.03.2026
Ich beobachte meine junge Hündin aus der Küche heraus, wie sie an der Glasschüssel auf dem Gartentisch schnuppert. In der Schüssel befindet sich eine Hundewurst. Während ich beobachte wie sie mit ausgestrecktem Hals, fast auf den Zehenspitzen stehend versucht der Wurst so nah wie möglich zu kommen, stelle ich mir vor, wie sie am Tisch hochspringt und die Glasschüssel mitsamt Inhalt umreißt. In meinen Gedanken zerschellt das dicke Glas unter eisigem Klirren auf der Betonplatte. Ich spinne weiter, wie ich aufstehe und vor mich hin meckere. Ich muss an die Hundehalter denken, die mir raten würden, dem Hund keine Schuld zukommen zu lassen, dass ich nicht schimpfen soll. Ich darf den Hund nicht durch meine negative Reaktion erschrecken, könnte doch hinter jedem Ereignis ein Trauma stehen. Im besten Fall rede ich beruhigend und freundlich auf den Hund ein, um sicher zu gehen, dass er die Situation wenigsten positiv verknüpft; warum er das soll, und weshalb der Hund statt den Scherben in meinem Fokus stehen muss, hat mir noch kein Hundehalter beantwortet. Eigentlich bin ich doch nicht erfreut über die ganzen scharfen Glassplitter auf dem Boden. Ist ein Hund wirklich so dumm, wie sie sagen? Kann er nicht verstehen, dass er der Grund für meine negative Stimmung ist? Kann er nicht verstehen, wodurch sie ausgelöst wurde? Hat er keinen Anspruch darauf mitgeteilt zu bekommen, wie es mir geht? Ist der Hund allein für sich auf der Welt, abgeschlossen und nur zur eigenen Triebbefriedigung fähig?
Die Gedanken ziehen an mir vorbei und meine Hündin wendet sich von der Leckerei in der Schüssel ab. Wie gerne würde sie es fressen, doch sie springt nicht hoch. Was hält sie davon ab? .... weiterlesen
Mein Hund hasst seine Leine
02.03.2026
Jahrelang begleitet mich nun schon diese verdammte Hundeleine. Dabei nervt sie mich mehr, als dass sie mir nützlich ist. Trotzdem halte ich seit acht Jahren Hundehaltung an ihr fest. Seinen Hund an die Leine zu nehmen, gehört sich eben, auch wenn mein Hund und ich auch ohne laufen könnten. Könnten. Stattdessen kämpfe ich seit acht Jahren gegen jegliches Leinenziehen, Verheddern und Verknoten an. Immer nur eine Hand freihaben und irgendwie den noch wichtigeren Kotbeutel öffnen und zuknoten. Eigentlich empfinde ich beim Gassi-gehen schon lange keinen Spaß mehr. Eher denke ich an all die Pflichten, die ich als Hundehalter in der Gesellschaft zu erfüllen habe, das schlechte Gewissen, wenn man doch nicht alle Kotreste seines Hundes vom Asphalt kratzen konnte. Die Gedanken, die darum kreisen, dass es für den Hund sicherlich mal schön wäre Freilauf zu bekommen, aber so oft wie man gerne hätte passiert es nicht. Entweder begegnet dir mitten auf dem Acker ein Hase oder gleich eine ganze Familie mit Kleinkindern – oh Gott, bloß keine Kleinkinder.
Wenn mein Hund auch nur den Anschein gibt sich für die Kinder zu interessieren, denken die Eltern bestimmt ich habe eine menschenreißende Bestie an der Leine. Und überhaupt, wieso sind die genau jetzt um diese Uhrzeit, bei diesem Wetter auf dem Feld? Müssen die nicht arbeiten und in den Kindergarten?
Kaum zieht die Situation an mir vorbei und ich hatte bereits einhundert Gedanken, die alle nicht wirklich angenehm sind. Im Gegenteil, ich bin gestresst. Mein Hund macht natürlich genau das, was ich nicht will. Scham überkommt mich, denn jetzt denken die da drüben wirklich, ich hätte eine unausstehliche Bestie an meiner Seite.
Ich sehe jetzt wirklich dämlich aus, als könnte ich meinen eigenen Hund nicht unter Kontrolle halten.
Dabei mache ich doch genau das, was verlangt wird. Ich halte meinen Hund an der Leine. Ich bin ein verantwortungsvoller Hundehalter. Irgendwie habe ich mir das aber anders vorgestellt. Ich trainiere fleißig, nehme ihn sofort an die Leine, sobald jemand anders in unserer Nähe ist und räume die Haufen weg. Ich tue all das, was ein verantwortungsvoller Mensch tun würde. Doch, wenn mein Hund an der Leine pöbelt und vor Aufregung keinen Funken Menschlichkeit mehr zeigt, fühle ich mich wie ein Versager, wie ein Idiot, sie sollen doch alle sehen, wie gut mein Hund eigentlich erzogen ist! Meine Gedanken kreisen und finden kein Ende, bis ich einen anderen Hundehalter erblicke. Nimmt er seinen Hund jetzt an die Leine? Was mache ich, wenn er es nicht tut? Was für ein Arschloch, wenn er seinen Hund jetzt nicht an die Leine nimmt. Der traut sich aber was, so nah mit einem unangeleinten Hund an meinen heranzukommen. Meistens tut er es.
Nichts an dieser Hundehaltung macht nachhaltig Freude. Seit dem Moment an dem der erste Glücksrausch nach dem Welpenkauf verflogen ist, bin ich ununterbrochen dabei meinen Hund von anderen Menschen und anderen Hunden fernzuhalten. Meinen Hund, der eigentlich der beste Freund des Menschen sein sollte. Diesen besten Freund halte ich krampfhaft an der Leine. Toller Freund, den ich hier darstelle. Ich stelle mir vor wie es wäre, wenn die Rollen vertauscht wären. Ich trage ein Halsband und werde von meinem Hund an einer Leine geführt. Oder würde mein Hund mir ein Geschirr anziehen? Schräg, die Vorstellung an einem Strick befestigt zu sein. Aber warum nicht? Wir machen es doch bereits beim besten Freund des Menschen, warum dann nicht auch bei Kindern? Immerhin sind sie wesentlich sicherer an der Leine, sie können nicht einfach so auf die Straße rennen. Während ich meine täglichen Spaziergänge erledige, dämmert mir Großes. Mein Kopf rattert, eine Frage nach der anderen brettert durch meine starren Hirnwindungen. Auf einmal fliegen acht Jahre an mir vorbei.
Was machen wir hier?
Wir halten unsere Hunde an der Leine, weil wir genau dasselbe mit dem Menschen tun. Jede seltsame Beziehung, jedes unangenehme Gespräch entfaltet sich in meinem Kopf, es ergibt nun alles einen Sinn. Diese Erkenntnis ist nicht wieder eine dieser zahlreichen Theorien zur perfekten Gesprächsführung oder dem effektivsten Hundetraining. Nein, es ist die Wahrheit. Nichts mehr als das. Mickrig klein. Kaum begreife ich, was ich da gerade denke, schon überkommt mich ein Verlangen danach dieses Wissen zu teilen. Ich will mich mitteilen, kommunizieren, denn es gibt keinen Grund für dieses Leid, dem wir uns Tag für Tag aussetzen – man muss nur…. So beginnt ein neuer Zyklus des nicht-verstanden-Werdens, denn zu erklären, wie man dieses Wissen greifen kann, wird zur größten Aufgabe meines Lebens. Egal wie oft ich es versuche, bestimmt, freundlich, streng, sanft oder lehrend, dieses Wissen ist nicht erklärbar, nicht hörbar. Jedes Wort biegt in eine andere Richtung ab, nur nicht die, die ich dafür vorsehe. So stehe ich wieder in einer Sackgasse, müde, genervt und völlig orientierungslos. Zu verstehen, wie man die Leine loslässt ist keine Methode, keine Theorie, es ist das pure Leben. Entweder man lässt sie los oder nicht. Es gibt kein Geheimnis oder eine Übung dafür. Es ist so einfach – doch gibt es nichts Schwereres auf dieser Welt.
Meine letzte Leine ist nicht etwa eine aus Sisal, Biothane oder Leder. Es sind Ketten, die werde ich nicht einfach so los, also schon, aber auch nicht. Meine früheren, riesengroßen Gedankenspiralen konzentrieren sich nur noch auf diesem einen Punkt, Sie ziehen keine Kreise mehr, vielmehr vibrieren sie an Ort und Stelle. Ich weiß, rational, dass die Kette in meiner Hand liegt, doch emotional fühlt es sich an, als sei sie mit mir verschweißt. Wie ein Hund, dessen Kette sich im Laufe seines jämmerlichen Daseins als lebendige Alarmanlage in sein Fleisch geschnitten hat. Genau das bin ich. Trainiert darauf in Alarmbereitschaft zu sein, denn das macht mich zu einem verantwortungsvollen Menschen. Nicht nur mich, auch dich, deine Nachbarn und deinen Hund.
Wofür?
Je mehr ich darüber grüble, desto weniger werden die Gründe für dieses übersteigerte Sicherheitsbewusstsein. Schon lange denke ich nicht mehr über meinen Hund nach, denn aus irgendeinem Grund ist er ganz ruhig, anders als sonst. Ich blicke hoch und sehe meinen Hund an einem Terracotta-Blumentopf schnuppern, kurz regt sich Unbehagen in mir, ich schaue auf die zusammengerollte Hundeleine in meiner Hand. Da läuft mein Hund schon weiter, um am nächsten Busch zu schnüffeln. An mir fahren Fahrradfahrer vorbei, kläffende Hunde stören das morgendliche Vogelgezwitscher, Kinder laufen an meinem Hund vorbei. Er blickt kurz hoch, dann setzt er seine Schnüffelroutine fort. Wie konnte ich mich so sehr auf einen Gegenstand verlassen, dass ich ihm die Kontrolle über mich abgab? Ich zucke mit den Achseln und verliere mich in einer kühlen Brise.
Der tut ja wirklich nix.
Mir dämmert’s.
Es ist egal welche Hunderasse du kaufst
23.02.2026
Boxer, Australian Shepherd oder doch lieber ein einfacher Labrador? Zahlreiche Hunderassen, entscheiden kann man sich aber immer nur für eine. Mit der Diversität der Hunderassen verhält es sich wie mit der Auswahl verschiedenster Schokoladenarten im Supermarkt.
Schier unendliche Variationen von ein und derselben Sache. Bei diesem Angebot verliert man sich all zu gern in der schweren Entscheidung zwischen Zartbitter mit Pistazie und Karamell und Zartbitter mit Pistazie und salzigem Karamell. Der feine Gaumen ist ausgerichtet auf die subtilen Geschmacksnuancen und der Verstand erfüllt von dem Wunsch das Beste zu bekommen. Zur Hilfe nimmt man sich die Beschreibung der jeweiligen Sorten, denn sie sollen eben diesem anspruchsvollen, auf Perfektion getrimmten Verstand, bei der Auswahl helfen. Einfacher wird die Wahl des Glücks jedoch nicht, denn jedes der Objekte unserer Begierde präsentiert sich von seiner süßesten Seite. Will sich von dem Nebenmann abheben, betont kleinste Details und vernebelt den Verstand des Betrachters, sodass die Illusion begehrenswerter Einzigartigkeit entsteht. Dabei handelt es sich, nüchtern betrachtet, um Schokolade. Oder einen Hund.
Nun sind die Unterschiede zwischen der Lebenslust eines Labradors und der Trägheit eines Kaukasischen Schäferhundes nicht von der Hand zu weisen. Die Entscheidung zu einer bestimmten Art von Hund sollte nicht von der einzelnen Rasse im Detail abhängen, denn für eine derart kleinliche Zerteilung ein und derselben Spezies sind sich alle Hunde auf dieser Erde zu ähnlich. Der grobe Rahmen muss passen.
Nicht jeder wird glücklich mit einem Begleiter, der eigentlich kein Interesse am Begleiten hat und viel lieber auf einem Hügel über das weite Land blickt.
Doch diese Entscheidungen sind reine Lifestyle-Entscheidungen und haben keinen wirklichen Einfluss auf das, was mit der Wahl der richtigen Hunderasse erreicht werden möchte.
Problemlos soll er sein, der Hund, das neue Familienmitglied. Pflegeleicht, leicht erziehbar, sanft zu den Kindern, freundlich zu jedem, ohne Aggressionsverhalten, dafür niedlich oder wunderschön. Er soll dem Menschen keine Umstände bereiten, höchstens in der Welpenzeit, danach soll er sich ins bestehende Leben einfügen. Das erreicht man in erster Linie durch das passende Produkt. Angefangen vom Hund bis zum perfekten Spielzeug und der korrekten Fütterung.
Als ich vor einiger Zeit mit meiner Schäferhündin spazieren ging, begegnete mir eine Mutter mit drei Kindern, eines davon im Kinderwagen. Daneben ein kleiner weißer Hund, der recht aufgeregt schien. Er konnte seinen Blick nicht von Runa abwenden. Je näher wir uns kamen, desto mehr Details erkannte ich. Sein Körper klein und gedrungen, die Bewegungen ungeübt und tollpatschig, das Gesicht uralt. Ich zweifelte kurz über meine Einschätzung des Alters dieses Hundes. Er knurrte, bellte und sprang drohend in die Leine. Weil ich zu keinem abschließenden Ergebnis kam, fragte ich die Mutter, ob es sich bei dem kleinen Hund um einen Welpen handelt. Die sichtlich gestresste junge Frau bejahte dies. Ich konnte mir einen Ausdruck des Erstaunens nicht verkneifen. Der kleine Hund vor mir, ein Labrador Welpe, gerade einmal 14 Wochen alt verhält sich wie ein Erwachsener.
Sicherlich handelt es sich auch hier um einen sorgfältig ausgewählten Hund, das lässt sich leicht an der Konstellation junge, gut gekleidete Familie mit Hund ablesen. Der Hund soll ein Familienhund sein, ein Spielkamerad für die Kinder, er rundet das Bild der glücklichen und erfolgreichen Familie ab. Wäre da nur nicht das Problem mit dem Aggressionsverhalten. Mit dem Pöbeln an der Leine bei Hundesichtung. Mit der Hyperaktivität und dem Rückruf.
Dieses Beispiel ist eine sehr deutliche Veranschaulichung davon, dass e sich nicht um die falsche Rassewahl handelt, sondern an der völligen Fehleinschätzung der eigenen und aktuellen Situation. Zwei Kinder im Grundschulalter, ein Säugling, die Mutterschaft und ein Welpe.
Verhält sich ein Hundewelpe derart aggressiv in diesem Alter, so liegt etwas im Argen. Der Hund zeigt, völlig unabhängig seiner Rasse, wie es um das „Familienoberhaupt“ steht. Die Eltern, in diesem Falle die Mutter, scheint überfordert mit den Bedürfnissen vier verschiedener, sich in der Entwicklung befindlichen Persönlichkeiten plus der Erfüllung ihrer eigenen. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich nicht die Entscheidung zum Hund trotz drei junger Kinder kritisiere.
Der Hund zeigt, dass in der Kommunikation der Mutter ein Defizit vor liegt. Es beginnt damit, dass sie ihre Bedürfnisse ihren Kindern und dem Hund gegenüber nicht äußert. Dies passiert oftmals dann, wenn man sich „nur das Beste“ für das Kind wünscht und aufgrund eines falschen Verständnisses der Realität in die Falle der Erziehung rein über positiv verstärkende Konzepte und Methoden tappt. Dieses Konzept, in der Hundeszene seit Jahren bekannt, vehement verteidigt und inzwischen in die Kontroverse geraten, findet seinen Ursprung in der erlernten Kommunikation einer gesamten Gesellschaft. Denn der Druck dem positiven Bild einer liebenden und fähigen Mutter zu entsprechen, bildet sich durch die eigenen negativen Erfahrungen mit den Eltern und einer Gesellschaft, die Normalverhalten zunehmend pathologisiert. Negative (Lebens)Erfahrungen gelten als Fehler in einer guten Kinder- und Hundeerziehung und werden vermieden. Beim Hund bedeutet es die Leine und Training, bei Kindern die uneingeschränkte Entfaltung des kindlichen Willens, bei gleichzeitiger Überbehütung (Kameras im und um das Haus, Privatspielplätze im eigenen Garten, Kontakt zur Außenwelt nur unter elterlicher Begleitung).
Dass ein Labrador sich verhält wie ein übersprudelnder Schäferhund und ein Schäferhund wie ein Straßenhund, ist letzendes das Ergebnis der Erfahrungen, die der Hund für sich selbst macht. Genetische Unterschiede im Verhalten der verschiedenen Hunderassen sind in den meisten Fällen verschwindend klein und äußern sich oftmals in den Interessen des Hundes. Jagdhunde sind, wie der Name andeutet, jagdlich motiviert, dabei vergisst der Liebhaber der Hundezucht jedoch, dass alle Arbeitseigenschaften Formen des Jagdverhaltens sind. Somit ist jeder Hund grundsätzlich jagdlich motiviert, es sei denn, es handelt sich um einen Hundetyp, dessen Arbeitsgebiet es ist sich niemals von der Gruppe zu entfernen (Herdenschutzhunde).
Die größten Unterschiede liegen also nicht in den einzelnen Rassen, vielmehr in deren Arbeitsgebieten und den daraus resultierenden Hundetypen. Ein Hütehund ist, obwohl beide Hundetypen dasselbe Arbeitsumfeld haben, im Verhalten deutlich impulsiver als ein Herdenschutzhund. Hüte- und Jagdhunde sind in hohem Maße manipulierbar, also trainierbar, da sie leicht reizbar sind. Man kann sich das Gehirn eines solchen Hundes wie ein Feuerwerk vorstellen. Emotionen führen bei jedem Hund zu Verhalten, sogenannte „Arbeitshunde“ (mit Ausnahme des Herdenschutzhundes) zeichnen sich durch ein hohes Maß an Impulsivität, Stressanfälligkeit und emotionaler Instabilität aus. Jemand, der ständig in der Emotion ist, ist leicht zu manipulieren. Deshalb fällen chronisch gestresste Menschen eher impulsive Entscheidungen, die langfristig gesehen negative Auswirkungen auf das soziale Umfeld und die Gesundheit haben.
Haben wir also eine gestresste Mutter, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie unberechenbar auf ihr Umfeld wirkt, ziemlich hoch. Das hat zur Folge, dass Kinder keine soziale Stabilität erhalten, da das gestresste Elternteil nicht auf das Kind eingeht, sondern auf eigene innere Zustände reagiert und diese am Kind auslebt. Auch Hunde bemerken diesen Zustand und verhalten sich den Erfahrungen eines solchen Miteinanders entsprechend. Als Kompensation werden auch positiv empfundene Emotionen deutlich übersteigert.
Wenn Menschen meine Schäferhündin kennen lernen, so verhalten sie sich häufig entzückt. Runa stellt das konservative Bild des Deutschen Schäferhundes dar, gleichzeitig ist sie durch ihre Fellzeichnung, stark ausgeprägte, schwarze Maske und den dadurch hell erscheinenden braunen Augen eine für das menschliche Auge sehr attraktive Hündin. Die Begeisterung über die überaus offene Hündin lässt sich in den meisten fällen durch die Erwähnung ihres Alters steigern. Der Fakt, dass Runa unter einem Jahr alt ist, führt zu einer Intensivierung der „Babystimme“ sowie einer stärkeren Gestikulation sowie übertriebenen Mimik. Runas Reaktion, die sich der Aufregung des Menschen anpasst, wird dabei als Freude fehlinterpretiert. Sie beginnt erst am Menschen hochzuspringen, bevor sie ihre Schnauze in das Gesicht der Person stößt, gefolgt vom Festhalten der Hände und Arme der Person. Was hier häufig als freudiges und ausgelassenes Spiel interpretiert wird, ist in Wahrheit der hündische Versuch den Menschen in seiner Aufregung zu stoppen (korrigieren).
Übersteigerte Emotionen, positiv wie negativ, führen zu riskantem Verhalten. Die rosarote Brille ist eine fantastische Metapher für die zerstörerische Kraft chronischer emotionaler Dysbalance.
Trotz, dass es sich bei meiner eigenen Hündin um einen Hundetypen handelt, der für Impulsivität steht, ist sie in der Lage das Verhalten des Menschen zu interpretieren und ihr Bedürfnis nach Ruhe auf soziale Art zu äußern. Dass sie dazu in der Lage ist, ist den vorangegangenen Erfahrungen mit der Umwelt und ihrem sozialen Umfeld zu verdanken. Genetisch tendiert sie als Hütehund zu emotionaler Instabilität; als Folge übersteigertes Jagdverhalten ( bspw. Border Collie) und/oder stark ausgeprägtem Aggressionsverhalten (bspw. Malinois). Woher die zahlreichen Beißvorfälle durch Schäferhunde kommen, liegt auf der Hand. Hier muss ich erwähnen, dass der Malinois (einer der vier Varianten des belgischen Schäferhundes) aufgrund seines heute gewünschten psychischen Zustandes Qualzuchtmerkmale aufweist. Der, teilweise zuchtbedingt, verhaltensgestörte Malinois ist ein Extrembeispiel für die Auswirkungen fehlender Kommunikation von Seiten des Menschen.
Die Fähigkeit des Menschen Grenzen zu setzen und für diese einzustehen, verändert sich nicht mit der Wahl der richtigen Hunderasse. Höchstens beeinflusst das Stigma des Hundes, ob ein Mensch eher vorsichtig oder ausgelassen mit dem Hund kommuniziert. So möchte sich kaum einer mit einem Kaukasischen Schäferhund „anlegen“ während über einen bellenden Chihuahua geschmunzelt wird, ungeachtet des tatsächlichen Verhalten des Hundes.
Ein kleiner Hund muss sich oft laut und übertrieben deutlich ausdrücken um ernst genommen zu werden, während die bloße Präsenz eines 70kg schweren Hundes ausreicht, um die Meisten zur Ruhe zu bringen.
Im sozialen Miteinander zwischen Mensch und Hund hat die Hunderasse keinerlei Bedeutung – sie stellt lediglich Liebhaberei dar. Die Hunderasse ist eine Kommunikationsform des Menschen, die anderen Menschen dadurch seinen gesellschaftlichen Status präsentiert. Das Bild verschiedener Hunderassen verändert sich mit der Gesellschaft. Während der Anatolische Hirtenhund (Kangal) in seiner Heimat genauso ein Standard-Hund wie es in Deutschland Dackel und Deutscher Schäferhund sind, ist es hierzulande regelrecht verpönt einen solchen Hund zu halten. Aus verschiedenen Gründen, allem voran die Fremdartigkeit.
Die Frage nach dem passenden Hund ist dieselbe Charakterfrage wie die Partnerwahl. Entweder es funkt, oder nicht. Die Hunderasse garantiert nicht die Sicherheit, die Hundetrainer und Züchter oftmals suggerieren. Jeder meiner Schäferhunde hätte sich nicht mehr von dem anderen unterscheiden können. Und obwohl sie auf den ersten Blick gleich aussehen, so könnte ich meinen verstorbenen Ares (weißer Schäferhund) unter tausenden seiner Brüder und Schwestern wiederfinden. Dass ich Schäferhunde halte, ist mehr oder minder Zufall, höchstens Sozialisierung. Keine Vernunftentscheidung.
Mein Vater hatte ein großes Bild eines Deutschen Schäferhundes an der Wand hängen. In Deutschland hatten weder mein Vater noch meine Mutter Hunde, mein Vater hat sogar eine Hundeangst – doch waren es gerade Deutsche Schäferhunde und Rottweiler, die in ihm eine Bewunderung auslösten.
Der Elefant im Raum
11.02.2026
Emotions are the only reason to live.
Warum denn nicht? Ich bin diese ganze Intelligenzscheisse satt. Ständig geht es nur darum was sein könnte, was besser wäre, was falsch und was richtig ist – was ist schon richtig? Gewalt ist falsch? Harmonie richtig? Kann ich nicht Gewalt provozieren und Harmonie erzwingen? Ist es das, was wir als Menschheit wirklich wollen? Oberflächlichkeit?
Mein gesamtes Leben, jede meiner Zellen, jeder Gedanke in meinem Kopf dreht sich um diesen einen Konflikt:
Wie kann ich sein? Kann ich sein? Kann nicht sein? Wie? Nicht warum, sondern wie kann das sein? Unendliche Treue doch wütende Rebellion, wie?
Ich kämpfe gegen mich selbst doch baue ich mich mühselig auf. Wann hört das auf? Es ist, als wollte ich sterben doch selbst das Sterben sei mir nicht erlaubt. Nicht feige, sondern müde. Immer wieder suche ich Erfahrungen, die mich töten, wie ein Zyklus, als bräuchte ich genau das. Sterben und geboren werden, immer und immer wieder.
Todesangst.
Welchen Grund gibt es noch zu partizipieren, wenn man dem Tod ins Auge geblickt hat? Welchen Grund gibt es noch sich verarschen zu lassen, wenn die Vergänglichkeit nicht in ferner Zukunft liegt, sondern hier und jetzt schwelt, so wie der Elefant im Raum.
Jede unserer erfundenen Sekunden beinhaltet den Tod, der Sensenmann steht neben dir, in jedem Moment deines Lebens. Freund oder Feind? Wer weiß das schon.
Der Urgrund des Lebens ist es zu leben, es besteht kein weiterer Sinn darin. Die Frage nach dem Sinn ist ein weißes Blatt Papier, ein wunderschönes, kräftiges, du hältst die Farben in den Händen. Schreibst du? Malst du? Lässt du es weiß? Zerreißt du es? Egal was du tust, es ist immer da, es löst sich nicht auf.
Ich bin ein Tier, die einzige Wahrheit. Ich und du, mein Hund, dein Hund, wir sind Tiere. Tiere sind niemandem Rechenschaft schuldig. Ich lehne ab, was wir uns als Menschen aufgebaut haben. Ruhm, Ehre, Geld und Schuld; zeig mir, wer du wirklich bist. Ziehst du durch, wenn es hart auf hart kommt? Ist es wahr, was du über dich erzählst oder doch nur eine Geschichte, die imponieren soll. Verpuffst du in dem Moment der Wahrheit?
Wie wehrst du dich gegen den Tod?
Ich bin keine Autorität, doch lieber zerreiße ich bevor sich alle zerreißen. Es liegt mir nicht im Blut zu führen, doch kann ich nicht führen lassen, was nicht führen kann. Lieber ersticke ich den anderen im Keim, als die Qualen eines anderen ein weiteres Mal zu ertragen. Ich respektiere das Leben, die Natur, niemand hat einen Grund zu leben. Töten und Sterben sind Auswirkungen des Lebens. Wut und Angst sind Emotionen und Emotionen sind die treibende Kraft des Nicht-Sterben-Wollens.
Doch was ist, wenn das Sterben eine Motivation ist? Wenn die Seele danach schreit sich selbst zu vergessen? Würde ich körperlich sterben, so könnte ich auf seelischer Ebene nicht sterben. Denn fest verankert an den Wunsch mich zu vergessen ist der Wunsch mich zu erkennen. Tod und Geburt. Meine einzige Wahrheit.
Wie mein alter Englischlehrer zu sagen pflegte:
Ich muss garnichts, außer sterben.
Was genau ist es, das mich so fasziniert? Ist es das Dazwischen? Der Moment zwischen Tod und Geburt? Die Leere, in die ich hineinfalle, den Boden, den Punkt zu spüren, bevor ich wieder an die Oberfläche des Lebens gesogen werde? Diese undefinierbare Leere, die mir Heilung bringt. Jedes Mal. Fallschirmspringen, in die Auflösung des aktuellen Zustandes.
Wer bin ich, um anderen zu erklären was gut und richtig ist?
Wer bin ich, dass andere sich in meiner Gegenwart sicher fühlen?
Suchen sie nicht einfach nach dem Tod?
Ist es die Unsicherheit, der Elefant im Raum, die Angst vor dem Tod, die die Tiere zum Menschen macht?
Nichts an mir war je nicht extrem. Die unendliche Depression zwang mich in die Extremerfahrung. Warum? Weil die Depression ein Schmerzmittel ist. Wer nicht fühlen kann, doch fühlen will, dem bleibt nichts anderes als die Übertreibung.
Was macht ein Übertreibender, der sich für falsch hält? Er übertreibt die Depression. Sie ist nunmehr kein natürlicher Heilungsprozess, vielmehr das Opium des Abhängigen. Das Leben ist ohne die Stumpfheit der Depression nicht möglich, schwindet sie für einen Moment, dann ist es ein Spiel mit dem Glück, ob eine Eruption der Gewalt oder der Euphorie zu Tage tritt, bevor Löffel und Nadel, Scham und Verzweiflung, wieder ausgepackt, vorbereitet und die Narkose in täglicher Routine injiziert wird.
Wer gab ihm, dem Abhängigen, das Heroin?
Woher hat er nur die Idee, dass Scham ihm hilft? So sehr, dass er diese Emotion als Leitfaden für das Leben betrachtet, sich gar daran klammert.
Ist es ein natürlicher Prozess, oder ein Symptom des menschlichen Zustandes?
Mein Hund hat keine Scham. Nicht auf diese Art und Weise. Er hat ein Ego. Das Ego ist verletzlich, sowie das des Menschen, doch nichts auf der Welt hindert ihn daran zu beißen, wenn er es für richtig hält. Wer schreibt dem Hund vor, ob er wegzulaufen hat, zu beißen hat oder ob er aushalten soll? Der Mensch ist ein Tier, das vergessen hat zu leben, beschäftigt er sich aus Angst zu sehr mit seiner Vergänglichkeit. Aus Ablehnung dessen, was die einzige Sicherheit und Wahrheit der Natur darstellt, verrennt er sich in zahlreichen Wahnvorstellungen. So weit, dass selbst das Altern ihm seelische Schmerzen bereitet.
Schönheit ist durch Jugend definiert.
Erfolg durch Härte.
Glück durch ein langes Leben.
Wer das nicht glaubt, der ist allerhöchstens ein Philosoph, doch sicherlich ein Asozialer, ein Traumtänzer, eine Gefahr für das System. Ein Schatten, der einen verfolgt.
Der Elefant im Raum.
Mein Hund passt nicht in diese Gesellschaft. Ich lehne mich so weit aus dem Fenster und behaupte, dass kein Hund in diese Gesellschaft passt. Das hat nichts mit dem Hund an sich zu tun. Die Idee, der Mensch sei kein Tier, obwohl wir uns alle auf wissenschaftlicher Ebene darüber im Klaren sind, dass wir alle „Tiere“ sind, ist weiterhin fest in unseren Köpfen verankert. Damit spielen wir nur oberflächlich auf unsere (kognitive) Überlegenheit an. Darunter liegen Scham und Verwirrung. Scham für die nicht allein dem Menschen zustehende Fähigkeit sich über jemand anderen zu stellen, jemand anderen für die eigenen Zwecke zu verletzen und Verwirrung durch das Bewusstsein selbst, das durch die Gier getrieben wird alles zu besitzen, sogar das Wissen selbst.
Jeder strebt nach Kontrolle, doch ist es verpönt diese Wahrheit auszusprechen. Das Verleugnen einer sozialen Haltung, einer, die über das Überleben entscheidet, führt uns in das System, in dem wir heute leben. Das System, welches bereits zu bröckeln begonnen hat.
Die Tatsache, dass mein Hund nicht in dieses System passt, beweist nicht seine Falschheit, doch wirft es Fragen auf. Fragen, denen sich der Mensch dringlichst stellen muss.
Ich halte eine Gesellschaft, in der weder mein Hund noch ich hineinpassen für falsch. Insbesondere, da es sich heute um eine Gesellschaft handelt, die sich Begriffe wie „Inklusion“ und „Verständnis“, „Love is Love“ und weiteres auf die Fahnen schreibt. Was hier passiert ist die größte, offensichtlichste, unverschämteste Lüge, die ich mir vorstellen kann. Denn nie waren Verbote und Kontrolle so sehr geliebt wie jetzt.
Freiheit ist denen vorbehalten, die den Tod nicht fürchten.
Der Vorhang lüftet sich, was wir auf der Weltbühne sehen, ist die reine Wahrheit. Unmenschlichkeit.
Die einen hoffen auf „das Gute im Menschen“ und folgen aus blinder Selbstaufgabe tyrannischen Herrschern. Ein Lob und die Welt ist fein. Die anderen akzeptieren die Dinge wie sie sind, sich und die Natur der Dinge.
Eine Gesellschaft die das Töten-Wollen leugnet verliert gegen die Tötenden. Das ist das Gesetz der Natur. Fressen oder gefressen werden. Jeglicher Versuch die Natur als rein liebendes Konzept, in dem der Mensch ausschließlich Ruhe finden soll, darzustellen, ist ein weiterer Schritt in Richtung Entfremdung von der eigentlichen und der eigenen Natur. Kein aufgesetzter Meditations-, Yogakurs oder sonst ein Angebot zur Erleuchtung kann lehren was die Natur ist. Sie ist ausschließlich erfahrbar.
Ich gebe zu, ich finde eine tiefe Ursicherheit in der Natur. Nichts auf dieser Welt fühlt sich so gut an, ich liebe sie wohlwissend, dass sie der Grund für mein Leid ist. Ich könnte weiter in romantisch-melancholischer Weise über das Leben sinnieren, doch zögerte ich damit nur die Nennung aller Tatsachen hinaus:
Komm klar.
Bedeutung finden
26.11.2025
The moment you interact with it, you turn it into your vision of it rather to see what it really is. It reflects you, just like you reflect it. Neither it nor you show true selfness when interaction occurs. Every word is a lie, that is not spoken through the intention to lie, but through the attempt to explain the true self. The self can‘t be represented to something else through words, as words in themselves are an interpretation of concepts the self doesn’t fully comprehend. Logic acts as a consequence of being unconnected to the reality of something else.
Connection strains the body. The desire to achieve righteousness through the ideal of connection to every soul leads into the death of body and self, as it returns its contained soul into the void of intuition. Your body limits you, for you to experience connection. Two paths are given to a bodied soul, similar but different in their ways. Mechanical is the body, intertwined with the intuitive soul, they resemble disconnection but engage communication. Only grasping their opposite concepts before separating through death of the machine. Then there is no boundary to the soul but unconsciousness.
Bedeutung
Es beginnt mit der Erkenntnis, das jedes Leben auf der Erde sich seiner Selbst bewusst ist. Eine Frage, die sich die Menschheit seit Jahrtausenden stellt, denn die außerordentliche Fähigkeit des Menschen Muster nicht nur zu erkennen, sondern zu beschreiben, verleitet ihn dazu andere Lebewesen zu bevormunden. Die Kunst mit dem Bewusstsein Realitäten zu schaffen, liegt jedem Lebewesen, somit auch jedem Individuum einer Art, inne. Der Körper bildet den Rahmen innerhalb dem es sich ausdrückt. Hierarchische Denkweisen eröffnen Möglichkeiten eine Kreatur in ihrer Gänze zu bewerten. Bewertung schafft Distanz. Distanz schafft den Raum einen anderen für die eigenen Zwecke zu nutzen. Jemand anderen zu trainieren, um aus ihm etwas zu machen, dass den eigenen Ansprüchen gerecht wird, bedeutet zu verleugnen was der andere bereits ist. So stellt die moderne, trainingsbasierte Hundehaltung lediglich eine Perversion des menschlich-machbaren dar. Es erzeugt den Eindruck, dass der Mensch selbst ein Rahmen für andere ist, in dem sich ein Individuum bewegt. Anders als der Körper ist der Wille zerbrechlich, er ist formbar. In dem Moment, in dem sich die Perspektiven ändern, schwindet das menschliche Verlangen nach Kontrolle über die Vorgänge des Lebens. Hundehaltung ist ein Wille, Hundetraining ist ein Wille. Ein Wille, den die Menschheit vehement durchsetzt. Es erinnert ihn an seine Übermacht die Welt vermeintlich konsequenzlos nach seinen Trieben auszurichten. Dieser Weg des Lebens ist schrecklich einsam, denn er bietet keinen Platz für ein Nebeneinander. So schmal, dass man gezwungen ist hintereinander zu laufen; wer zuerst kommt…
Die Einsamkeit der Menschheit spiegelt sich in jedem einzelnen von uns wider, wenn wir glauben, was wir meinen über die anderen zu wissen. Streben nach Erfolg, wer oben steht, steht dort meist allein. Erfolgreich einen Hund zu trainieren ist das restlose Ausmerzen des hündischen Daseins. Physisch zu zweit, psychisch allein. Was bleibt ist Bedeutungslosigkeit. Der Mensch ist kein Einzelgänger, doch scheint er anzustreben einer zu sein. Er trainiert sich selbst, um aus eigener Kraft, ganz allein, zu schaffen was einst Großfamilien gemeinsam geschaffen haben. So übernimmt er sogar das Leben des Hundes, weil er meint besser zu verstehen, was ein Hund braucht. Denn eine Perspektive, die von seinem Weg der Einsamkeit abweicht, gefährdet den einsamen Erfolg. Anerkennung scheint nur dann wertvoll, wenn sie exklusiv einer einzigen Person gegeben wird. Das Streben nach Mehr ist im Kern nur das Streben danach gesehen zu werden. Von jedem. Dieses Übermaß, dieser Wunsch nach Verbindung, führt zur Selbstaufgabe. Denn ein Jemand, der von allen verstanden werden will, besitzt die Fähigkeit sein Selbst so sehr zu verändern, dass sich keines bilden kann.
Was daraus folgt ist weniger glamourös. Hin und her gerissen, zwischen dem eigenen Selbst und dem der anderen. Unsicherheit. Sich in andere hineinzuversetzen, kostet eigene Lebensenergie, denn andere Perspektiven einzunehmen geht immer mit der Aufgabe einer anderen einher. Viele Menschen sind viele Perspektiven und diese unbändige Vielfalt wirkt nunmehr wie ein Sturm für den Einzelnen. Er reißt Dächer und Straßen mit sich, bis zur Unkenntlichkeit. Zu viel. Es ist zu viel sich zu wünschen jedem einzelnen gerecht zu werden.
Ein „gut trainierter/ausgebildeter/erzogener“ Hund ist nichts als das Streben danach innerhalb der Spielregeln des anderen erfolgreich zu sein, zu übertrumpfen, mit außerordentlichen Ergebnissen, denn nur so wird man in diesem Spiel der Massen tatsächlich gesehen. Was dabei passiert ist eine kollektive Angleichung. Wer der Lösung am ehesten entspricht, erhält den Narzissmus als Methode Selbstzweifel und Arroganz an einen Tisch zu bekommen. Ist das die Bedeutung des Lebens? Ist das, was ein Mensch sich unter dem besten Freund des Menschen vorstellt? Ein weiteres Werkzeug, um seine eigene Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit zu beweisen? Hat der Mensch denn immer noch nicht genug davon sich zur Besinnungslosigkeit zu arbeiten? Immer wieder die Angst davor zu empfinden überboten zu werden, vergessen zu werden und somit wieder bedeutungslos zu sein?
Rechenschaft
Ein Hund, unglaublich komplex, doch keinem Rechenschaft über seine Wünsche schuldig. Wie man einen Hund dazu bringt Dinge zu tun, die er von sich aus nicht täte ist Ausdruck der menschlichen Fähigkeit Muster und Konzepte bis ins Detail zu verstehen und Nutzbar zu machen. Modernes Hundetraining akzeptiert nun nichtmehr die psychologischen Grenzen des Hundes. Es sieht die biologischen Möglichkeiten des Hundes. Der Mensch weiß, wie man die Ausschüttung von Hormonen beeinflusst, gar auslöst, dazu muss der Hund nicht denken. Es braucht den Hund nicht als selbstbewusstes Lebewesen, was nötig ist, ist sein Körper. Es soll sich bei Berührung anfühlen wie ein Hund, es soll aussehen wie ein Hund, aber verhalten soll es sich wie ein Mensch. Wenn man so will, der Vorgänger der künstlichen Intelligenz, die sich ebenfalls nur wie ein Mensch verhalten, aber immernoch unmenschlich genug sein soll, damit wir sie unmenschlich behandeln können. Formbar, um uns zu dienen. Herrlich, solch ein egozentrisches Weltbild. Der Hund soll sich hingeben, für uns. Da ist es kein Wunder, dass so manch eine Beziehung zwischen Hund und Mensch religiöse Auswüchse annimmt. Denn nur Jesus starb so glorreich für die Sünden der anderen, wie der Hund. Dass das Kreuzigen eines Menschen eine Warnung an Freiheitskämpfer und andersdenkende sein sollte, wird nur zu gern verschwiegen. Tue dies, und du endest so wie der nette Mann da oben. Das Framing, welches Jesus in den Köpfen des durchschnittlichen Bürgers genießt ist dem des Hundes sehr nah. Gib dich selbst für andere auf und du wirst geliebt.
Doch stand hinter der Jesusfigur nicht ein Mann, der für sich selbst eingestanden ist. Nicht das Bedürfnis hatte sich gegenüber maßlosen Herrschenden und Kriegstreibern zu rechtfertigen? War er nicht jemand, der verstand sich nicht selbst zu verlieren, nur um die Perspektive eines Schlächters einzunehmen und dennoch kommunikativ zu sein? Und wurde der Hund nicht für das geliebt, was er ist: Kein Mensch? Wieso will der Mensch heute „ums Verrecken“ sein, wie jemand, der materiellen Reichtum über seine eigene Gesundheit und das Leben der gesamten Erde stellt?
Lieber lebt der moderne Mensch ein Leben, in dem er sich aufgrund seiner fehlenden Persönlichkeit niemals in der Position sieht, sich jemals erklären zu müssen. Reibungslosigkeit durch abgestellte Kommunikation. Ja, diese Eintönigkeit tarnt sich als Harmonie, in einer Welt, die Angst vor Tönen hat. Lieber die anderen Töne streichen, die anderen nieder machen, als ein Stück zu schreiben, das Geschichten erzählt. Je unsicherer das Gegenüber, desto leichter ist es ihn zu dem zu machen, was man will. Gleichmachen. Der Hund erklärt sich nicht, doch hält er seinen Standpunkt vehement ein, wenn er wütend in die Leine brettert, wenn er nicht kommt, wenn man ihn ruft oder, wenn er zu dem geworden ist, wozu der Hundetrainer ihn gemacht hat: eine hormongesteuerte Maschine, die jeden Moment explodiert, wenn man sie nicht bis zur Erschöpfung überarbeitet. Auslastung. Menschengleich. Das Gefühl zu haben jemandem Rechenschaft schuldig zu sein, müsste eigentlich die Frage eröffnen, wieso man sich in eine Situation begeben hat, die nach einer Erklärung der eigenen Existenz verlangt. Braucht der Mensch einen anerkannten, lizensierten Wert, oder darf er leben, weil er geboren wurde?
Wofür Leben?
Leben für Anerkennung und Gleichheit oder doch für sich selbst? Der Hund scheint in erster Linie von sich selbst überzeugt zu sein, bis irgendein Ereignis Anpassung erfordert. Doch passt er sich äußeren Umständen nur so weit an, wie nötig. So wie er am besten damit leben kann. Der Mensch ist extrem. Wie alles andere was er tut, hat er auch aus seiner arteigenen Anpassungsfähigkeit ein Wettbewerb gemacht. Der, der am meisten leidet und trotzdem durchzieht verdient am meisten Respekt. Schmerz ist der sekundäre Verstärker, wie ein Clicker, der zum Weitermachen anfeuert. Zumindest so lange, bis die Sehnen reißen, die Knochen brechen und die Bandscheiben herausquellen, zerstört man sich total, so ist das höchste Maß der Anerkennung erreicht.
„Er war immer dabei, hat gearbeitet wie ein Ochse, ihm kann man nichts zu Schulden kommen lassen“ außer seine eigene Dummheit, die ihm ermöglicht hat, bereits mit 40 Jahren des Lebens unfähig zu werden. Anders als der Hund versucht der Mensch in seinem Unsterblichkeitswahn sich so anzupassen, dass er in der Lage ist nicht wahrzunehmen, wenn ihm etwas weh tut. Ein Hund hingegen weiß zu vermeiden, was ihm Schaden zufügt. Er fokussiert sich nicht auf das Leid. Menschen gehen so weit, dass sie sogar den Altersprozess an sich verdrängen. Sie schufen sich ein Ideal von Jugend und spritzen sich ihre zerfallenden Körper in diese Schablone. Da wundert einen nicht, wenn man Gesichter nicht zu ihren Namen zuordnen kann. Ja, dafür lebt ein gut erzogener Mensch.
Sie lieben dieselben Farben, dieselben Frisuren, dieselben Meinungen und dieselben Abschlüsse. Denn in Gemeinschaft zu verdrängen, was diese Gleichmacherei mit dem Rest der Weltbevölkerung anstellt, ist einfacher, als alleine wahnsinnig zu sein. Kollektive Geisteskrankheit, denn sie haben begonnen jeden Menschen, der unter den Auswüchsen dieses Kapitalismus leidet, eine Diagnose zuzuschreiben. ADHS, die wohl größte Fehlannahme der Menschheit; zeigen Menschen mit diagnostizierter ADHS nichts anderes als dieselben Symptome eines Lebens in Gefangenschaft wie jedes andere Tier.
Wofür lebt er also, der Hundehalter? Um sich an den zahlreichen Möglichkeiten sein persönliches Raubtier in ein sicheres, seelenloses Kuscheltier zu verwandeln zu ergötzen, oder um mit diesem Raubtier auf Augenhöhe zu erleben, was die Natur ihm an Vielfältigkeit und Empfindungen gegeben hat?
Auf Augenhöhe
Mit der Natur auf Augenhöhe zu sein bringt einen zurück zur Erkenntnis, dass jedes Leben auf der Erde sich seiner Selbst bewusst ist. Ein Leben, sei es Pflanze, Tier oder Pilz, ist eine Interpretation des Universums, so liegt jedem Leben dasselbe Geheimnis zugrunde.
Die Grenzen, die uns durch die Interpretation des Lebens gesetzt sind, sollen nicht zur Ausbeutung anderer Lebewesen verleiten. Vielmehr verleiten sie zur Kommunikation. Ein Streit ist nur dann ein Streit, wenn verschiedene Perspektiven aufeinandertreffen und sich aufgrund der Missverständnisse zu einer Welle des Unverständnisses aufbauen, um am Ufer des kommunikativen Austausches zum friedlichen Zusammenleben zu führen. Dies schließt gewaltvolle Auseinandersetzungen nicht aus. So wie sich zwei Hunde bis aufs Blut bekämpfen können, steht auch dem Menschen frei sich in einer ausweglos erscheinenden Situation aufzubäumen. Doch Kämpfe, die nicht auf Augenhöhe stattfinden, tragen weiter nur zur Unterdrückung bei. Menschen, die sich willentlich Hingeben wissen nicht zu streiten, denn in einer Gruppe zu streiten bedeutet sich gegen jemand anderen aufzulehnen. Undenkbar in einer Gesellschaft, die Leistung und Gleichheit glorifiziert, Ungehorsam zu zeigen, ein System zu kritisieren.
Deshalb streitet sich auch der Hundehalter nicht mit seinem Hund. Ungehorsam ist unerwünscht. So verliert sich die Kommunikation und wandelt sich zu Lizenzen, die Überlegenheit suggerieren. Nur, wer überlegen ist, hat das Recht zu sprechen, die, die keine Ausbildung nachweisen, sind unwissend und gehören gelenkt. Kommunikation auszuschließen ist der Tod jeder Gesellschaft, jeder Gruppe, jedes Rudels. Es verhindert bedeutende Verbindungen, wenn Menschen ohne Ausbildung keine Meinung haben dürfen. So versucht einer den anderen zu übertreffen, für die Erlaubnis zu sprechen, jemand zu sein. Erlaubte Dominanz durchbricht das natürliche Dominanzverhalten des Menschen.
Was in einem Wolfsrudel zu beobachten ist, der beliebteste Wolf ist der, der den anderen gegenüber am freundlichsten und am resolutesten auftritt, ist beim Menschen längst im Meer der Zertifikate und Beurkundungen verschwunden. Der Mensch belohnt asoziales Verhalten mit Aufmerksamkeit und Anerkennung, während Hunde und Wölfe eine solche Destruktivität als Unruhe identifizieren und bestrafen. Zur Not mit totaler Ausgrenzung. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, das bedeutet auch zu verstehen, warum scheinbar jeder Kollege, jedes Familienmitglied und überhaupt alle sich wie „Arschlöcher“ verhalten und damit zurecht zu kommen.
Menschen, die sozial inkompetent sind, übernehmen Verantwortung für ganze Nationen, weil man sich bereitwillig unterordnet. Ein Papier reicht aus, um jemanden zum Schweigen zu bringen. Es ist überzeugend genug, um jegliches kritisches Hinterfragen im Keim zu ersticken, ist doch ein Studium Beweis genug für Kompetenz. Starre Hierarchien auf Grundlage schleimiger Selbstbeweihräucherung machen Platz für Vergewaltigung, Versklavung und Abschlachtung. Vorbilder, die Gewalt fördern. Dies nimmt auch vor unseren Haushunden keinen Halt. Hunde ohne Selbstbeherrschung, die vernarrt in ihre Ideen die Grenzen anderer übergehen und Menschen, die sich alles gefallen lassen, weil sie die Lizenz zur Kommunikation mit dem Hund nicht besitzen. Als sei der Hund der koksende Vorgesetzte, der durch seine außerordentliche Impulsivität nach der Methode „Dampfwalze“ ein Imperium auf Kosten der Allgemeinheit aufbaut. Ja, nicht zu kommunizieren, den anderen nicht auf den Boden der Tatsachen zu bringen und dies auch nicht für sich selbst zuzulassen ist die Wurzel allen Übels.
Angeleinte Hunde bellen lauter.
Grenzen setzten zu können geht Hand in Hand damit die eigenen Grenzen zu erkennen. Deal with it.

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Die Aufmerksamkeitsmaschine
21.11.2025
Hunde begleiten uns.
Nicht nur auf Spaziergängen. Sie finden auch ihren Platz in der digitalen Welt, von der sie nichts mitbekommen, so müsste man meinen. Doch mit Hundecontent lässt sich viel Aufmerksamkeit generieren. Wir Menschen reagieren instinktiv auf niedliche Tiere, insbesondere den Hund. Je schöner das Foto, desto mehr Aufmerksamkeit. Hinter einem gut geführten Hundeaccount auf Instagram steckt jedoch weitaus mehr als nur ein Profil mit hübschen Bildern. Tägliche Stories und Reels, die sich ausschließlich um das Leben mit dem Hund drehen, lassen erahnen was hinter den Kulissen stattfindet. Ein Mensch, der seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Hund lenkt. Seine Persönlichkeit wird dauerhaft beschrieben, bewertet, kommentiert. Aufnahmen, die Hunde in vorteilhaften Situationen zeigen. Laufen sie brav an der Leine? Warten sie geduldig auf ihr Futter? Wie war der letzte Termin bei der Physiotherapie für den Hund? Hat er sich benommen? Um den Schwall an scheinbar perfektem Hundecontent auszugleichen, wird von Zeit zu Zeit im Namen der Authentizität ein Post erstellt, in dem es um die Verfehlungen des sonst so liebevoll dargestellten Hundes geht. Er hat gejagt, kam nicht auf den Rückruf oder bellte an der Leine. Dem Kollektiv ist klar, dass es sich dabei um unerwünschtes Verhalten handelt.
Jeder Post validiert die Ansicht: Je mehr Hundeverhalten ein Hund zeigt, desto unkontrollierter ist er. Die Blöße ein schlechter Hundehalter zu sein, die möchte niemand tragen, so folgen heroische Beitrage, die dem Betrachter die harte Arbeit am Hund suggerieren sollen. Man zeigt, dass man sich kümmert. Mit Hingabe, gar Selbstaufgabe. Jeder Erfolg ein weiteres Häkchen auf der Liste des gut erzogenen Menschen. Die Menge der Beiträge und die Art der Darstellung lassen auf einen Menschen schließen, der seine Anerkennung durch den Hund findet. Für den Hund bedeutet das im Rampenlicht zu stehen. Die Kamera ist immer zur Hand, denn jede seiner Regungen, sei es eine Ohrenhaltung oder die Art und Weise wie er seinen Stuhlgang verrichtet, könnte einen wertvollen Post zur Folge haben. Dieser Fokus auf jede Kleinigkeit bietet Raum für extreme Auswüchse in der Hundeerziehung. Mit Perfektion im Blick gilt es nun aus dem Hund ein Vorzeigeobjekt zu machen.
Der perfekte Nährboden für Kontrollzwang.
Das Problem verstärkt sich von selbst und bietet dem Menschen eine Reihe selbstbelohnender Verhaltensweisen. Je öfter und eindrücklicher er zeigen kann, wie viel Arbeit und Energie er in den Hund steckt, um ihm ein artgerechtes, auslastendes Leben zu ermöglichen, desto tiefer rutscht er in den Teufelskreis des niemals endenden Hundetrainings.
Der Hund wird immer unruhiger, gar unberechenbar. Die Natur des Hundes entspricht nicht der des Menschen, auch, wenn sie sich in vielen Punkten ähneln, so wird er niemals den steigenden Anforderungen des ambitionierten Hundehalters gerecht werden können. Seine Art mit inneren Konflikten umzugehen ist offensichtlich. Er filtert nicht durch kiloweise Gedanken, Philosophien und Moralvorstellungen wie der Mensch es tut. Diese offene Darstellung seiner Emotionen steht der menschlichen Erziehung in direkter Weise entgegen. Es bereitet Hundehaltern sorgen, wenn der Hund Aggressionsverhalten zeigt; es macht ihm regelrecht Angst mit der Tatsache konfrontiert zu werden, dass auch sein Hund in der Lage wäre zu verletzen. So will er die Realität der Natur nicht wahrhaben und formt eine Welt, in der der Hund genauso sensibel ist wie er selbst. Die Sozialen Medien bieten dieser kollektiven Illusion den Raum, den es braucht, um solch eine Fantasie real erscheinen zu lassen, während mehr und mehr Hunde im Leinenknast dahinsiechen; ihnen die Erfahrung sie selbst, ein Hund, zu sein verwehrt wird. Sie sollen sanft, verständnisvoll und jederzeit ein Ruhepol für eine Spezies sein, die so fragil ist, dass sie einem Hund sein Leben anvertraut.
Betrachtet man die evolutionäre Funktion des Hundes, so wird deutlich, dass die einstig geschätzten Eigenschaften des Hundes heute nunmehr eine Last darstellen. Ein Relikt aus einer Zeit, in der jeder wusste, was es heißt, gefressen zu werden. War der Hund ein Warnsignal, wie eine Alarmanlage, so haben die Menschen vergessen, dass er diese Funktion auch heute noch erfüllt. Versäumt hat der Hundehalter seinen eigenen Wahn zu erkennen, nun weitet er ihn auf den vermeintlich besten Freund des Menschen aus. Weil der Hund uns so nah ist, im Leben, saugt er unsere Psychosen in sich auf und gibt sie als seine eigene Interpretation wieder.
Aber auch das, ist nicht Warnung genug für den liebeskranken Menschen. Jeglicher Anflug von Negativität stört ihn in seiner Effizienz. Es ist nicht produktiv sich Zeit zu nehmen, denn Zeit ist bekanntlich Geld. Man möchte einen Hund besitzen, weil es sich so gehört, für eine gut geführte Familie. Weil ein gut geführter Hund die Güte des Menschen hervorhebt. Doch soll der Hund bitte ohne das Hündische kommen. Hunde-Hardware mit Menschen-Software.
Solange der Blick des Menschen auf einen Bildschirm gerichtet ist, auf dem lauter Privatwerbungen das Ideal des Menschen propagieren, so lange wird der Hund unter der Völlerei des Menschen leiden. Zu glauben, dass das Rind im Stall das einzig gequälte Lebewesen ist, ist eine wundervoll simple Art die eigene Schuld von sich zu streifen, während der Hund zuhause Stunde um Stunde auf sein Herrchen wartet, damit er endlich, an der Leine versteht sich, einen Einblick in seine Möglichkeiten erhaschen kann, bevor er im hektischen Wahn des Menschen weitergezogen wird. 15 Minuten Hoffnung auf Freiheit, dann darf er arbeiten, der Hund.
Schließlich soll aus ihm mal etwas werden, woran sich niemand stößt. Er soll ein positives Vorbild für die ganze Gesellschaft sein. Keinesfalls soll er sich von seinen Ideen leiten lassen. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder das tun würde, wonach ihm ist? Nein, allein die Vorstellung nicht unter dem prüfenden Blick eines anderen zu stehen bereit Angst und Schrecken. Anarchie, wenn niemand dem anderen vorgibt was zu tun ist. Was hinter diesem paranoiden Gefühl steckt, ist die Überzeugung, der Mensch sein von Grund auf Böse. Nicht fähig aus eigenem Antrieb heraus Gutes über die Welt zu bringen.
Sicherer sind Menschen, denen im Kindesalter die Selbständigkeit und Kreativität genommen und durch stumpfsinnige Arbeit ersetzt wird. Sicherer ist ein Mensch, der erst einen anderen um Erlaubnis bittet, bevor er eine Idee in die Tat umsetzt. Noch sicherer ist ein Mensch, der sich in seiner gesetzlich vorgegebenen Freizeit freiwillig in einen Prototyp der Kryostase begibt und sich erst dann wieder in Bewegung setzt, wenn die Uhrzeit auf dem Bildschirm den Arbeitsbeginn markiert. Regungslose Freizeit. Die Sozialen Medien sind nunmehr ein Laufgitter für Erwachsene und Jugendliche. Für die, die am meisten Tatendrang besitzen. Wie der Hundehalter seinen Hund in Abstraktionen seines ursprünglichen Verhaltens konditioniert, so konditioniert der Mensch sich selbst in die Besinnungslosigkeit. Anerkennung ist das Leckerli des Menschen.
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